Von Konsolenabenden mit gutem Essen

Gaming With Friends Teil 2

Jeder Gamer hat sie und denkt sicher mit Unbehagen daran: Freunde, die mit Gaming nix am Hut haben und selbst gar nicht zocken. Furchtbar? Das Grauen?? Nicht unbedingt. Und nein, ich bin nicht zu lang in der Sonne gelegen, weil ich grad Urlaub habe. Es ist Frühling. Draußen ist wunderbares Wetter. Die Vögelchen und Bienchen kommen aus ihren Löchern und ich mache was jeder normale Gamer in dieser Zeit macht: „SCHAAAAAAATZ!!! Jalousien runter zum Teufel!!!! Sonst seh ich nix mehr auf meinem verfickten Bildschirm!!!!!!“
Ok, nicht jeder Gamer kann nach seinem Schatz rufen, aber ich möchte das Kellerkind-Klischee an dieser Stelle nicht rauskramen. Keine Zeit. Heute geht es um etwas anderes, nämlich um Freunde.

Die typischen 0815-Normalo-Freunde würden da gleich mit Sprüchen kommen wie „Geh doch raus! Du sitzt nur drin! So viel Zocken ist niemals gesund! Mach mal Party und sauf ordentlich, so wie wir! Du bist ja blass wie eine Leiche!“ Und da kommen sie wieder, die Schönheitsideale. Ich versteh nicht, wieso jeder versucht möglichst kackbraun zu werden, sich dabei seine Haut verbrennt und im schlimmsten Fall so aussieht, als wüsste er nicht, in welche Richtung man seine Unterhosen auszieht. Furchterregend. Ich hoffe der Winter kommt bald wieder. Abgesehen davon, hab ich drinnen nun mal mehr Spaß.

Meine beiden Nicht-Zocker-Freunde sind aber anders als die 0815-Normalos. Der Anonymität halber denke ich mir am besten unverfängliche Namen aus…. hmmm… Wednesday für meine Freundin, weil sie mich vom ersten Augenblick an an das Mädel von der Adams-Family erinnert hatte und mir daher sofort sympathisch war. Und was ihn betrifft: einfach Chris. Ein Allerweltsname, denn heute heißt ja jeder Chris. Chris ist ja eher schon ein Zustand als ein Name, von daher perfekt für Anonymität!
Also: Wednesday und Chris sind verheiratet und haben etwas andere Hobbies. Er ist ein Technik-Freak und codet gern (was auch immer das sein mag). Sie mag Katzen, Bücher und Tee. Generell ist sie die Crazy Cat Lady in jung und hübsch. Naja, und ihr fehlen noch 99 weitere Katzen zu der bisherigen einen.

Wir sind seit mehreren Jahren befreundet, aber vor einigen Wochen war ich das erste Mal in der gemeinsamen Wohnung der beiden. Ich konnte es nicht glauben und dachte ich bin in einem Albtraum gefangen: Keine Konsolen! Keine Games! Kein Nintendo DS! Nix! Omfg! Ich bin in der Hölle!
Hab natürlich an meinen Lieblings-Zock-Buddy einen verzweifelten S.O.S-Ruf geschrieben: „Hilfe! Ich bin in einem Haushalt wo es nix zum Zocken gibt! So was gibts doch nicht! Hol mich hier raus!“ Aber es brachte nichts. Ich musste da durch *schauder*.
Und genau da merkt man, was gute Freunde wirklich ausmacht: Der Abend wurde einfach super. Wir haben viel gelacht und hatten Spaß beim Poker spielen. Mit echten Karten zum Anfassen (wtf, Poker gibt’s auch im Real-Life… was ne verrückte Welt Oo). Chris lieh mir dann sogar sein einziges Game, das er im Haus hatte. Ich war gerührt und freute mich sehr:

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Richtig interessant wird es aber, wenn die beiden bei mir zu Besuch sind. Früher haben wir Karten und Brettspiele gespielt; heute schreibt mich Wednesday an und meint „Ich bin für nen gemeinsamen Konsolenabend“. Bei diesen perfekt gewählten Worten geht mir das Gamerherz auf und ich möchte sie am liebsten direkt abknutschen. Dafür, dass die beiden nämlich nicht zocken, haben sie trotzdem erstaunlich viel Spaß daran.
Meinen letzten Geburtstag wollte ich beispielsweise mal so richtig meiner Natur entsprechend feiern…  aber dann waren die uniformierten, aus Torten springenden Latino-Stripper leider viel zu teuer und so musste ich mich mit dem wesentlichen Begnügen: Gutes Essen, beste Freunde und die WiiU – wahnsinns Mischung heart-bullet

So nebenbei, Chris der Nicht-Zocker, der gerne codet (was auch immer das sein mag), hat uns in Mario Kart alle abgezogen. Ich persönlich glaube ja, dass „coden“ bedeutet: „Ich spiele heimlich nachts, wenn meine Frau es nicht sieht, um dann bei unerwarteten Zockerabendenden meine Hardcore-Gamer-Freunde so richtig platt zu machen“

Begonnen hatte das Ganze letzten Sommer, als wir zum Kartenspielen bei uns verabredet waren. Tom und ich hatten, bis sie da waren, noch an meiner neuen PS4 gespielt. Chris, der Technik-Freak, war natürlich sofort an dem Gerät interessiert und musste es sich aus technisch-relevanten Gründen, die mir zu hoch sind, näher anschauen.
Da ich die beiden mittlerweile gut kenne, warf ich Limbo rein. Ich wusste sofort, dass dieses Spiel morbide, creepy und verrückt genug war, um die beiden in ihren Bann zu reißen. Das Ganze lenkte den Abend in eine unerwartete Richtung. Die beiden hatten einen irren Spaß daran, den kleinen Waisenjungen durch den gruseligen Wald zu jagen und der Spinne alle Beine auszureißen. Und zwar während ich da saß und mit dem Munchkin-Karton wedelte – ich bin so stolz auf die beiden heart-bullet 😀

Limbo Spider

Wirklich klasse finde ich es, dass ich mit Wednesday über alles reden kann. Auch über Street Fighter V. Ich musste ihr vor zwei Wochen stolz auf Facebook schreiben, dass ich jetzt Laura spiele und sie so tolle Boob… ähm…. Haare hat. Worauf Wednesday mir gleich mit folgenden Worten antwortete: „I’ve got them heavy boobs, heavy boobs… *sing*“
Wer das Lied nicht kennt, bitte hier zum Youtube-Video klicken: Heavy Boobs. Ein übler Ohrwurm 😉

Während diesem Gespräch schickte ich ihr ein Bild von R.Mika. Ich musste einfach von Frau zu Frau darüber reden, dass ich nicht glaube, dass man so kämpfen kann. Ihre Antwort war, typisch für Wednesday, einfach umwerfend: „Also Mika bekommt dann die Enzyclopaedia Britannica unter die Titten geklemmt xD Mh, Airbagfunktion und ein Level 5 Sportsbra, dann klappt das. Zur Not: Töte den Gegner durch den Boobie Crash.“
Und ich glaube es ist nun offensichtlich, wieso die nicht-zockende Wednesday meine allerbeste Freundin ist.

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Ich finde ja auch, das macht richtige Freunde aus, nämlich dass man Spaß haben kann, auch wenn die Hobbies etwas anders gewichtet sind. Ich freue mich daher sehr auf den nächsten Munchkin- oder Pokerabend mit den beiden; der im eigentlich grauenhaften RL stattfinden wird, mit den beiden aber so viel Spaß macht, dass ich gar nicht merke, dass ich gerade nicht zocke. Ob dann Latino-Stripper in Uniformen aus Torten hoppsen weiß ich allerdings nicht – mal mit Wednesday drüber reden.

Aber heute Abend ist erst mal ein Konsolenabend bei uns angesagt. Ich liebe Konsolenabende ja generell. Da kann einem keiner mehr sagen, man säße zu viel am PC und zudem gibt es leckeres Essen, man spielt mit den besten Freunden und freut sich des Lebens. Und diesmal werde ich den codenden Chris in Mario Kart schlagen 🙂

2 thoughts on “Von Konsolenabenden mit gutem Essen

  1. Sunny

    Auf jeden Fall 😀 Briten sind definitiv die besseren Latinos!

  2. Wednesday

    Hmm, Latino-Stripper….ein Haufen blasser Briten aus einem Victoria Sponge Cake wäre doch sicher auch was? 😀

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