Oktober ist Schocktober

Tot bei Todeslicht, Furcht, Schrecken und alte Märchen

Wie jeden Oktober bin ich, dank bevorstehendem Halloween, im Gruselrausch. Ich liebe es mich zu gruseln! Schon als Kind war das Märchen, das mich am meisten in meinem Gebrüder-Grimm-Märchenbuch interessierte, das von dem Jungen „Der auszog das Fürchten zu lernen“. Da es das Märchen ziemlich in sich hatte und meine Mutter eine wirklich gläubige Frau war, hat sie es mir auch nie vorlesen wollen. Bis auf einen Abend, der mir noch exakt im Gedächtnis blieb, weil dieses verfickte Märchen so beschissen gruselig war, dass ich mir fast in die Hosen gemacht hätte.

Jetzt ehrlich, welches Märchen ist bei genauerem Nachdenken nicht irgendwie creepy und gruselig? Ich möchte nur mal an nette alte Damen erinnern, die jungen Frauen leckere Äpfel schenken oder Kinder großzügigerweise in ihrem Luxuskäfig logieren lassen, während sie sie mit Pizza, Schoki und Chips vollstopfen. Natürlich ohne Hintergedanken. Ist doch wirklich voll lieb und harmlos… oder nicht? Ernsthaft, was für abgefuckter Horror steckt da eigentlich drin und wieso realisiert man so was erst als Erwachsener? Aber im Vertrauen: Ich lese Märchen noch immer total gerne… bis auf „Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen“. Vielleicht sollte ich es mir echt mal wieder reinziehen. Für einen Menschen, der sich immer gern gegruselt hat, ist mir merkwürdigerweise die „Gruselfähigkeit“ in den letzten Jahren abhanden gekommen. Schade.

Wie das kam? Keine Ahnung. Vor sechs Jahren hatte ich noch nach dem Film „Friedhof der Kuscheltiere“ so dermaßen Schiss, dass ich mich nicht mal allein ins Klo meiner 40qm-Wohnung traute. Aber mittlerweile lässt mich vieles kalt. So z.B. letztes Jahr als ich den krassen psychedelischen Horror in Form von „Layers of Fear“ alleine in meinem Zimmer im Dunkeln genoss und danach zu meiner Wäsche in den Keller musste. Ok, leichtes Unbehagen hatte ich dann schon. Aber ich ließ sogar das Licht weitestgehend aus und war die Ruhe selber. Erschreckend, wie unerschrocken ich geworden bin.

Ich habe keine Ahnung, ob es an den vielen Filmen und Büchern liegt, oder ich von den zahlreichen Spielen abgestumpft bin. Das nebelige Duskwood mit dem gruseligen Friedhof, den vielen Skeletten, Spinnen und Ghulen, war in WoW immer meine Lieblingsgebiet. In Inis wie Straholme oder Scholomance war ich daheim. Spiele wie Diablo 1+2+3 rangen mir hingegen nicht mal einen kleinen Rückenschauer ab.
Andere, wie „Until Dawn“, „Dark Souls“, „Limbo“ oder eben „Layers of Fear“ bringen zwar kurz mal ein gruseliges Unbehagen, sofern ich sie alleine im Dunkeln in meinem Zimmerchen spiele. Dennoch lässt sich alles in allem sagen: Fuck ey, nix macht mir mehr wirklich Angst. Leider 🙁 Dabei erinnere ich mich noch gut an die Zeiten, als ich Gothic 1 + 2 alleine in meiner Studentenbude gespielt hatte und mir die zu erkundenden Gebiete und vor allem Höhlen echt übelst Angst eingejagt hatten. Da musste es im Real Life nicht mal dunkel oder Nacht sein. Das war ein Spaß!


Gothic 1: Die richtige Musik und die schaurig schlechte Grafik taten ihr Übriges. Die Steuerung empfinde ich heute aber als wirklichen Horror!

Ich muss das Gruseln also wieder lernen, genau so wie der Typ im Märchen. Insofern habe ich mich riesig gefreut, als mich Haggy im Sommer letzten Jahres zu seinen Haggy-in-Hell-Streams einlud. Immerhin saß ich zuvor schadenfroh kichernd vor meinem Laptop, während er bei „Until Dawn“ in etwas zu hohen Tonlagen gequietscht und mehrmals fast den Controller vor Schreck weggeschmissen hat. Die Szene mit dem Waschbären aus dem Badschrank, im ersten oder zweiten Kapitel des Spiels, ist dabei jedes Mal mein Favorit, wenn er das Spiel wieder spielt. Und ja, ich werde ihn jeden Sommer erneut dazu zwingen… äh bringen, dieses super Spiel wieder rauszukramen und mit mir zu streamen. Einfach weil es so Spaß macht zuzusehen, wie er sich erschreckt. Und zudem weiß ich, was er letzten Sommer getan hat! 😉

Nach etwas stressigeren Phasen in unserem Privatleben haben wir zwar den Haggy-in-Hell-Stream erst einschlafen, aber vor zwei Monaten endlich wieder aufleben lassen. Ich sitze immer noch kichernd neben ihm, wenn ihm bei Spielen wie „Outlast“ der Schweiß läuft und seine Stimme in nicht ganz so männliche Töne abrutscht. Zeitweise habe ich mich aber auch etwas gegruselt und 2-3x bin ich richtig zusammengeschreckt. Ein Fortschritt! Yaaay!

Da Halloween vor der Tür steht spielen wir auch außerhalb der Streams wie die Irren Horrorgames. Gerade während ich schreibe, ist es nach Mitternacht und wir kloppen eine Runde „Dead by Daylight“ nach der anderen durch, während es mich richtig happy macht, dass es mich so reinzieht und ich manchmal wirklich wie ein kleines Mädchen ins TS schreien muss.

Dead by Daylight: Die Sache hat halt leider einen Haken 🙂

Jeder, der das Spiel nicht kennt, man stelle es sich folgend vor: Vier arme Schweine werden in ein ummauertes Gebiet geworfen, in dem ein psychopathischer Killer sein Bestes versucht, ihnen das Leben so unangenehm wie möglich zu machen. Ok, das war jetzt euphemistisch. Er will sie abschlachten, ihnen das Licht ausknipsen, sie liquidieren, abmurksen, umtöten, sie über die Klinge springen lassen und ins Jenseits befördern. Ich hoffe stark, das war jetzt eindeutig und anschaulich genug, damit jeder weiß was Sache ist.

Jedenfalls sitzen vier Überlebende, naja eigentlich eher Ums-Überleben-Kämpfende, eingepfercht in einem gruselig dekorierten, ummauerten Gebiet und müssen aus irgendeinem Grund fünf Generatoren reparieren, damit zwei potentielle Ausgänge mit Strom versorgt und geöffnet werden können. Ääääähh ja…. Erstens: Wer hat das gebaut? Zweitens: Wer sind die fünf, dass sich der Aufwand überhaupt lohnt?! Und drittens: Natürlich hatte jeder Werkunterricht, in dem das Reparieren von Generatoren Pflichtgebiet war. Und sowieso hat jeder so gut aufgepasst, dass er genau weiß, wie man so ein Dings wieder zum Laufen bringt. Klar. Aber ich will ja mal nicht kleinlich sein. Platten-BHs* im MMO schützen den Krieger realistisch gesehen auch nicht vorm Abnippeln und in „Die Sims“ ist man mit einem Fremden nach 2 Stunden flirten und zehn Küssen ohne Zunge schon verheiratet und mit dem dritten Kind schwanger. So sind Spiele eben. Die Realität ist eh real genug. Wäre ja auch öde, wenn in Games alles wie im echten Leben zuginge.


Technik? Kann doch jeder!

Back to topic: Wie man sich denken kann, ist es nicht so leicht zu viert fünf Generatoren zu reparieren und einen Ausgang zu öffnen, den man 20 Sekunden kanalisierend öffnen muss**, während einem ein mordlustiger Irrer ans Leder will. Das Spiel ist einfach unglaublich spannend und durch die düstere Atmosphäre auch ziemlich gruselig. Genau die Art von Horror auf die ich anspreche. Splatter und Gore à la „Saw“ ließen mich schon immer kalt. Psychohorror hingegen ist schon eher mein Ding und dieses Spiel bringt sogar meinen Puls zum Rasen. Aber wenn es simpel nur um Blut und Leichen geht, bin ich wohl durch viele viele Videospiele einfach abgestumpft. Sieht man einfach oft genug.

Ein anderer Kandidat auf meiner Liste ist „Friday the Thirteenth“, ein weiteres interessantes Survival-Horror-Spiel, das Haggy und ich uns seit Freitag dem 13. reinziehen. Noch finde ich es im Vergleich zu „Dead by Daylight“ etwas unspannend, aber ich habe bisher den Dreh auch noch nicht raus. Eventuell werde ich bald berichten.


Was macht man, wenn der Mann, den man liebt, der Killer ist???!! …


…Wohl auch sterben. Eine Minute vor Spielende. Mir dünkt, wir betreten hiermit die Blowjob-freie Zone unserer Beziehung 😈

So long, eine schaurig-schöne Halloween-Schocktober-Zeit wünscht
Sunny.

 

*Plattenrüstung im BH-Format, der den Bauch des Kämpfers richtig schön offen legt, sodass dieser von Gegnern effizienter getötet werden könnte…. wenn das fucking Spiel nicht so verdammt unrealistisch wäre!!!

**Für Gaming-Noobs: Drauf klicken, Maustaste gedrückt halten und 20 Sekunden warten.

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