Oh süß, ne Frau! –Tittenbonus?

Ein Leben als Frau unter pubertären Gamern – Teil 1

Der typische klischeebehaftete 0815-Gamer ist im Normalfall ein pickeliger Junge, der keine Haare am Sack hat und bei Mami und Papi im Keller lebt, wo er den ganzen Tag bis in die Nacht hinein zockt. Er hat in seinem Leben noch nie eine Pussy gesehen. Und nein, damit ist nicht die Nachbarskatze gemeint, die ihn gelegentlich besucht, um ihm seine Snacks zu klauen.
Einige werden jetzt sicher fragen: „Klar, das gilt für die Jungs. Aber es zocken doch auch Ältere?“ Für die gilt ganz klar dasselbe. Außer dass sie Fernfahrer von Beruf sind und nachts mit Vorliebe nicht jugendfreies Rollenspiel mit Nudepatch auf WoW-Rollenspielservern betreiben.

Woher ich das weiß? Naja, tief in mir drinnen weiß ich, dass das eigentlich alles nur Klischees sind. Aber so manche Erfahrung lässt mich daran zweifeln, ob die Realität wirklich großartig anders aussieht.

Ich war jung, hatte gerade erste Erfahrungen in Onlinegames gesammelt und zockte für mein Leben gern World of Warcraft. Die Frauenbeteiligung war wesentlich geringer als heute. Oft war ich das einzige weibliche Wesen in meiner Gilde – unter einer Horde  (spät-)pubertierender Männer. Und wir alle wissen ja, dass WoW in Wirklichkeit nichts anderes als eine Online-Datingbörse war, wo man den wenigen Frauen aufgrund von Tittenbonus Items überließ; oder rein ohne Hintergedanken ein teures Epic-Mount spendierte…. hrhr. Hab ich natürlich niiieeeemals angenommen. Echt nicht! *ironie-schild hochheb* So kam mein Bankcharakter auch nicht nicht auf ein volles T6-Set, welches Kenner im Titelbild dieses Artikels bewundern können.*ironie-schild wegpack*

Manchmal war es aber auch ganz schön nervig als Frau erkannt zu werden. Zum Beispiel wenn man mit Fremden ins TS musste. Als mein harmloses „Hallo“ eines Tages mit einem begeisterten „Oh süß, ne Frau!“ kommentiert wurde, habe ich kurz überlegt, einen guten Stimmverzerrer zu suchen. Ausschlaggebend dafür war, dass der Unterton des Typen ungefähr so klang, wie der eines Hundefanatikers, der einen kuscheligen kleinen Welpen sieht und den er unbedingt streicheln und liebhaben möchte. Nicht mit mir! Ich hatte die Wahl zwischen Stimmverzerrer Marke Darth Vader oder einfach nix sagen. Hab mich zwar für nix sagen entschlossen. Trotzdem wäre ersteres aus heutiger Sicht lustiger gewesen. Stellt euch vor, ihr habt einen Darth Vader im TS, der zwischendurch aus Spaß plötzlich weiblich klingt 🙂

Das Beste war, wie ich einmal mit einem kurzen gesprochenen Satz einen ganzen Raid wipte. Für Nicht-WoWler: Wipe heißt, es brezelt alle Spieler, ins Nirvana. Komplettes Versagen auf ganzer Linie, das vom Raidleiter im Normalfall mit Sprüchen kommentiert wird wie „Zieht mal den Finger ausm Arsch, ihr Loser!“.

Zurück zum Katastrophen-Ereignis. Im konkreten Fall handelte es sich um einen Kharazan-Run mit der Gilde eines Freundes. Nett wie ich war, half ich aus, damit sie mal über den ersten Boss hinaus kamen. Dummerweise war ihr Können einfach unterirdisch bis gar nicht vorhanden.

Ihr müsst euch jetzt vorstellen: Da war diese fremde, ominöse Nachtelfschurkin, ausgestattet mit den besten Waffen und Rüstungen, die es damals gab. Sie schwieg bereits, seit sie das TS betreten hatte und kommunizerte wenn überhaupt nur im Chat. Ohne Smileys. Das wirkte von vornherein mehr sonderlich als weiblich.
Die wenigen anderen Frauen, die ich damals im Spiel kannte, spielten entweder Priester oder Resto-Druide und laberten ununterbrochen. Nervig! Typisch Frau halt: Heilen und dabei quasseln ohne Punkt und Komma.

Alle schnetzeln so an Nightbane rum, aber irgendwie machten Sie immer den selben Fehler ohne es zu bemerken. Da wollte ich helfen. Schreiben und hoffen, dass es wer liest war nicht. Deshalb machte ich den Mund auf. Es erklingt also urplötzlich eine mysteriöse weibliche Stimme einfach so im TS und BÄM, der ganze Raid wiped! So schnell konnt ich gar nicht gucken. Alle tot. Ungelogen. War lustig!
Dass alle starben, lag besonders daran, dass alle aufhörten zu kämpfen und bei mir eine Menge Flüsternachrichten eingingen; mit ziemlich genau folgenden Wortlauten:

  • „Hey, du bist ja weiblich! Hast du schon nen Freund?“
  • „Boah, warst du das grade?“
  • „Wo wohnst du? Du klingst ja süß <3 <3 <3“
  • „Welche Cupgröße hast du????!!!“
  • „Stehst du auf [zensiert] oder [wollt ihr nicht wissen, glaubt mir]? *sabber sabber*“

Wisst ihr jetzt woher mein Gamerklischee kommt? Gar nicht so weit hergeholt, oder? Mich wundert es bis heute, dass die Jungs damals überhaupt wussten, dass Frauen existieren. So wie sie reagierten, hatten sie sicher noch nie eine echte gesehen. Eher durch Zufall im Fernsehen. Womöglich als sie beim Zocken versehentlich den Fernseher in ihrem Kellerchen eingeschaltet hatten und plötzlich ein TV-Sender statt einer Konsole dran hing.

Wenn ihr jetzt neugierig seid und wissen wollt, was ich sonst noch so erlebt habe, dann könnt ihr in den kommenden Wochen mehr erfahren: In „Ein Leben als Frau unter pubertären Gamern – Teil 2“.

Eure Sunny.

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