Nudeln ohne Ketchup

Ein Auszug aus den alltäglichen Sorgen und Nöten einer Gamerin

Als Gamer wird man ständig vor neue Probleme gestellt: ein Rätsel ist zu kompliziert, ein Boss zu schwer, ein Boss zu leicht, man bekommt nur aufs Maul oder wird nur über den Haufen geschossen, das Spiel verbugged an einer Stelle, für die man Stunden gebraucht hat um hin zu kommen… und, und und. Diese Liste kann man problemlos fortsetzen, aber das würde meinen Blog sprengen.
Somit sind dies nur Ausschnitte der zahlreichen, ernstzunehmenden Probleme, die uns tagtäglich konfrontieren und durch die wir uns erhobenen Hauptes durchbeißen. Eine Sache ist aber schlimmer als jede andere und es findet im RL (iiieeeh RL!) statt, was das Ganze nur noch unerträglicher macht: Stell dir vor, ein neuer Teil deines Lieblings-Games erscheint und du hast gar keine Kohle dafür *paaanik*

Die meisten von uns waren sicher mal in dieser unmenschlichen Situation und haben davon ein irreversibles Trauma davongetragen. Damit meine ich ein Trauma das noch schlimmer ist, als das was man hatte, wenn man sich ewig auf das neue Zelda für den Gamecube – ein „Ocarina of Time“ mit noch besserer Grafik – gefreut hat und dann mit so einem Müll wie „The Wind Waker“ abgespeist wurde. Für mich persönlich brach damals mein Zelda-Himmel ein und ich habe seit dem kein neues Spiel dieser Serie mehr angerührt. Nachts schrecke ich noch hoch und sehe Link als hässliche Comic-Plage, die mal kurz in sieben lächerlichen Spielstunden durch diese grässliche Comic-Welt hoppst. Und nein, generell habe ich nichts gegen Comic-Grafik, aber bitte nicht in Zelda, nachdem Spitzentitel wie „Ocarina of Time“ und „Majora’s Mask“ auf dem Markt waren!
In solchen Nächten des Grauens schläft man dann nicht mehr, sondern raidet bei Mondschein den Kühlschrank (zumindest als Frau). Wenn doch nur denn etwas drin wäre. Was uns wieder zum Ausgangsthema bringt.

kotz
Mir fehlen einfach die Worte, um zu beschreiben, wie sehr ich diese dumme Comic-Fratze hasse!!!

Egal ob Gold, Dollar, Simoleons, Gems, Platin und weiß der Geier, was es alles an ingame Währungen gibt, man erfreut sich daran, wenn man möglichst viel davon hat und sammelt es voller Stolz. Jetzt schauen wir aber mal ins Real-Life: Während man in seinem Spiel Freude daran hat, seinen Reichtum anzuhäufen, sieht es da nämlich ganz anders aus. Im Idealfall wird 0815-Gamer namens Karl-Erik von seinen Eltern versorgt, während er zockend in seinem eigenen, kleinen, vollkommenen Reich aka „Keller“ sitzt und dort den ganzen Tag nix anderes tun muss, als wie ein Irrer auf Tastatur oder Gamepad einzuhacken. Wie das Leben so spielt, gibt es aber auch Gamer, die eben nicht dieses Glück haben und sich ihr Essen im RL jagen, bzw. „verdienen“ müssen. Und dann wirds richtig hart. Frage an den Leser: Schon mal gezockt, während du gearbeitet hast? Falls ja, meine ich:

a) ohne gefeuert zu werden
b) ohne alle 45 Sekunden panisch das Spiel zu minimieren, weil Kollege oder Chef kommt, und dann ingame zu verrecken und darauf wieder die nächsten 45 Sekunden von vorn anfangen zu müssen, um dann nach 45 Sekunden erneut panisch zu minimieren (It’s the ciiiiiircle, the circle of life! *sing*)
c) ohne professioneller Streamer/Schreiberling zu sein, der dafür Geld bekommt*

Die Leser, auf die alle drei Aussagen nicht zutreffen, dürfen sich jetzt angesprochen fühlen und weiter lesen. Der Rest darf natürlich auch, aber bitte still in einer Ecke und möglichst das hämische Grinsen verkneifend.
Es ist ein elender Teufelskreis: Ohne Arbeit kein Geld, ohne Geld keine Spiele, ohne Spiele keinen Spaß, also mach ich was was das meinen Spaßlevel noch mehr verringert, nämlich Arbeiten gehen.

Es muss deshalb eine handfeste Lösung her. Ich für meinen Teil gehe ja oft durchs Leben und finde es schade, dass es kein Game ist, wo es doch eigentlich so viel von einem Game hat. Oft sehe ich Autos, denke mir so „Hmm, die könntest du knacken und ne Bank ausrauben“ Aber ist nich, weil das Leben nicht GTA ist. Naja, eigentlich zum Glück nicht, denn in GTA ist die Auswahl an Klamotten und Frisuren schon sehr ernüchternd. Zudem würde man zu 99% für einen Real-Life-GTA-Raubzug hinter Gittern landen, wo es weder Konsole noch Gaming-PC gibt und man nicht mal diese idiotischen, nutzlosen Handy-Games zocken darf, weil einem das Handy beim Einchecken weggenommen wird.
Gamer im Knast haben es nicht leicht. Fitness-Fans dürften aber wohl dank gut ausgestatteter Mucki-Bude vor Ort den Jackpot gezogen haben: Sie bekommen 3x täglich zu essen, haben ein Bett, müssen keine Miete zahlen und dürfen ihrem Hobby nachgehen. Und bevor ich jetzt überlege, wieso ich mich für Gaming als Hobby und nicht für Muskelaufbau entschieden habe, wechsle ich am besten das Thema und schreibe lieber schnell weiter.
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Bitte im RL nicht nachmachen, sonst gehts in die Gaming-freie Zone!

Eine andere Überlegung wäre, im Real-Life mal so richtig farmen zu gehen. Und mit farmen meine ich weniger ein Feld anzubauen oder Tiere zu züchten. Eher in den Zoo zu gehen und Tiere zu kürschnern, um das Leder dann im Auktionshaus zu verkaufen und fett Gold dafür zu kassieren. Was übrigens in diversen MMOs damals eine lukrative Idee war. Jedoch sollte man im RL so etwas tunlichst vermeiden, es sei denn man will selbst von PETA, Polizei und Greenpeace gekürschnert werden. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Alles würde wieder in der Mucki-Bude im Knast enden, wo wir uns klar werden würden, dass wir das falsche Hobby ausgewählt haben.

Ich als begeisterter Sims-Fan, habe auch schon überlegt, ob es nicht Sinn machen würde mal in die Kirche zu gehen. Die unter euch, die mich privat kennen, wissen, dass ich in dem Fall wahrscheinlich in Flammen aufgehen würde und wundern sich jetzt sicher, was mich zu dieser wahnwitzigen Idee verleitet. Aber es ist ja nur so eine Idee. Nur um den guten Pfarrer mal fragen, ob er nicht bei seinem Boss, dem Typen, der angeblich unsere Fäden zieht, ein gutes Wort einlegen könnte. Und zwar dafür, dass er endlich mal den Motherlode-Cheat einsetzt. Für Nicht-Sims-Spieler: Das ist ein Cheat, der euren Sims eine Menge Cash beschert, sodass sie den ganzen Tag vor der Konsole hängen können, statt arbeiten zu müssen. Praktisch, oder? Leider ist das im Real-Life auch nicht so wirklich praktikabel… und ich glaube der gute Pfarrer würde den Vorschlag auch gar nicht checken, weil er zu viel mit arbeiten beschäftigt ist und deshalb in seiner Freizeit sicher nicht zockt und daher die Sims eh nicht kennt.

voll fürn Arsch
Als Frau möchte man halt überall gut aussehen….

Es nützt alles nichts. Was wir armen Gamer tun können, ist also brav unsere Brötchen… äh ich meine unsere Games verdienen und in der spärlichen Freizeit dann eben diese zu zocken. Natürlich gibt es dabei auch ein paar Sparmodelle. Man kann zum Beispiel seinen Ernährungsplan gamergerecht umstellen. Nur schmecken Nudeln mit Ketchup nach den ersten 10 Tagen auch etwas fad. Besonders wenn das Ketchup alle ist. Aber man kann ja auch auf andere Real-Life-Luxusartikel, wie z.B. neue Klamotten, verzichten. Vorm PC sieht einen eh keiner, es sei denn man hat die Webcam an. Und dann tut es ein Shirt oben rum auch. Ehrlich, wer braucht beim Zocken schon Hosen?

Als Frau haste es dann doppelt schwer. Interessante Interessenskonflikte sind durch das abweichende Chromosom nämlich vorprogrammiert. Natürlich müssen PC, Maus, Tastatur und Bildschirm passend in derselben Farbe leuchten. Möglichst passend zu Haarfarbe und Schuhen. Bei mir ist das Leuchten leider rot, weil die Maus kein lila kann. Rote Haare will ich aber auch nicht. Von daher befürchte ich, dass bald eine neue Maus ansteht, die optisch alles besser abrundet.

Dann will man natürlich auch beim Zocken gut aussehen. In Unterhose, unrasiert und unfrisiert seinem Spiel nachgehen, ist für uns Frauen einfach ein No Go. Das führt oft zu verhängnisvollen und verzwickten Entscheidungsmomenten, wie es zum Beispiel mir vor drei Monaten ging. Ich spiele sehr gerne Blizzards „Heroes of the Storm“. Und gerade da wurde ein neuer Charakter eingeführt; mit einem neuen Skin, den man sich nicht erspielen und nur für Echtgeld kaufen kann. Natürlich ist der Skin so dermaßen lady-like, dass ich ihn unbedingt haben musste:

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Wie man sieht ist er ein Traum von Rosa und Pink mit Sternchen und Glitzer. Konnte ich mir nicht entgehen lassen. So beschloss ich etwas, das schockierend und katastrophal zugleich war: Ich verzichtete auf meinen anstehenden Besuch beim Friseur und spielte einen Monat lang nur noch mit Papiertüte über dem Kopf. Manchmal muss man für seine Leidenschaft eben Opfer bringen.

Dafür haben wir das beste Hobby der Welt.

Game on!
Eure Sunny

*ironisch gemeint; ich weiß, dass es Freiberufler in der Gamingbranche nicht leicht haben.

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