Light Punch, Middle Kick, Hadoken – scheiße, Arme und Beine verknotet!

Aller Anfang ist schwer: Mein Einstieg in Fighting-Games

Eigentlich sollte dieser Beitrag „Gaming with Friends Teil 2“ werden und ich wollte mal so richtig darüber herziehen, wie arm meine Freunde mit mir Noob doch dran sind. Manchmal kommt es aber doch anders, als man denkt und ich muss das Thema noch ein wenig vertagen.
Ebenso fehlt dem heutigen Text der bisherige Hauch von Ironie und Komik, der sich durch meine anderen Beiträge zieht. Der Grund dafür ist, dass ich  dieses Thema im Moment nur mit einem gewissen Ernst angehen kann. Es ist ein kleiner Bericht aus meinem derzeitigen Leben und die Eröffnung der Kategorie „Ein Gamertagebuch“, die als kleines Nebenprojekt gedacht ist. Ein Bereich, in dem ich in Zukunft öfter mal erzählen möchte, was mich aktuell beschäftigt. Genug drum herum gelabert, auf gehts:

Als Gamer ist man ja immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Mir geht es da nicht anders. Ich bin ein Mensch, der sich mit Bekanntem schnell langweilt und sich voller Freude neue Herausforderungen sucht. Hab gehört, das soll eine typisch weibliche Eigenschaft sein, die unter anderem erklärt, wieso wir immer neue und gleichzeitig noch engere und noch höhere Schuhe brauchen! 😉
Wie auch immer, leichte Spiele waren mir schon seit jeher ein Graus. Je schwieriger, fordernder und knackiger, umso besser.

Derzeit habe ich aber eine extrem harte Nuss zu knacken und muss zugeben, dass ich manchmal extrem gefrustet und auch am Boden zerstört bin. Alles begann mit der Tatsache, dass ich Street Fighter V in die Hände bekommen habe und es mich aufgrund seiner Komplexität und Skill-Anforderungen sofort in seinen Bann gezogen hat, wie selten ein Spiel zuvor.

Ein großes Interesse an Fighting-Games hatte eigentlich ich nie. Als Kind habe ich auf einem alten C64 heimlich, still und leise im Keller manchmal International Karate gespielt. Ich war damals zwischen 10 und 12 Jahren und aufgrund meiner Erziehung („Gewalt ist keine Lösung! Man schlägt andere nicht… bla bla… sülz“) doch eher schockiert, dass es mir so gut gefiel. Ich verstaute es mit schlechtem Gewissen ganz unten in der Floppy-Box und zockte eher Spiele wie Dino Eggs, Blue Thunder, Bobby Bearing oder Draconus.

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Mit 19 Jahren war ich Baby-Sitter eines 8-jährigen Nachbarsjungen. Mit ihm und seinen Freunden spielte ich gelegentlich Super Smash Bros. auf dem Gamecube. Ich fand es lustig, auch wenn ich es eigentlich nicht blickte. Aber das war mir egal. Es war just for fun und eine willkommene Abwechslung von meinem Studenten-Alltag. Ansonsten waren für mich Fighting Games auch die folgenden Jahre immer nur stupides Gekloppe und ich konnte nicht verstehen, wieso man sich damit befasste.

Und dann kam Street Fighter V. Kein Spiel hat mich bisher so sehr begeistert und gleichzeitig so dicht an den Rand der Verzweiflung gebracht. Klar, es ist nur ein Spiel und man spielt Spiele um…? Genau! Spaß zu haben. Dennoch habe ich gewisse Erwartungen an mich selbst und merke die letzten dreieinhalb Wochen, wie stark ich diese herunterschrauben muss. Wir sind ein kleines Grüppchen von Gamern – sieben um genau zu sein. Darunter sind drei Anfänger und ein Wiedereinsteiger. Letzterer hat als Kind eine Zeit lang ähnliche Spiele gespielt. Und von allen bekomme ich in gefühlten 99% der Kämpfe aufs Maul. Ich mache in meinen Augen die dümmsten Fehler, habe null Reaktionsvermögen und mein Hirn schaltet oft bei den zu schnellen Ingame-Bewegungen auf Standby.

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Mein Versagen sieht ungefähr so aus 😉

Also habe ich mich die letzten Wochen oft gefragt, wieso ich mir das antue und nicht einfach etwas spiele, das ich einigermaßen gut kann. Eine gewisse masochistische Ader muss ich scheinbar haben. Aber die Antwort ist klar: Es macht mir dennoch Spaß und ich will es können. Es ist eben eine Herausforderung, eine Möglichkeit meine Grenzen zu testen und ein Spielprinzip, das mich fasziniert:

heart-bullet Man ist selbst für Offensive und Defensive verantwortlich.

heart-bullet Man ist selbst für seine Spielweise und damit für Sieg oder Niederlage verantwortlich.

heart-bullet Es folgt einem Schere-Stein-Papier-Prinzip.

heart-bullet Was aussieht wie stupides rohes Gekloppe und Gehopse, ist eigentlich viel mehr:
Es ist wie ein rundenbasiertes Spiel, so wie Schach. Mit der Ausnahme, dass man den Gegner dazu zwingen muss, selbst zum Zug kommen zu dürfen. Das zu verstehen und umzusetzen soll gerade für Anfänger extrem knifflig sein.

heart-bullet Zudem muss man sich nicht wie in anderen Genres, die ich bisher gespielt habe, auf sein Team verlassen. Man ist für alles selbst verantwortlich.

heart-bullet Kein anderes Game sagt einem so ehrlich, wie gut oder schlecht man wirklich ist. Na gut, Tetris vielleicht 😉

Ein weiterer Grund, der mir unheimlich Motivation gibt, ist die Tatsache, dass ich mich von unserem kleinen Grüppchen unterstützt und ernstgenommen fühle. Die Jungs machen sich weder über mich lustig, noch machen sie blöde Witze darüber, wie schlecht ich bin. Stattdessen bekomme ich Anerkennung und wertvolle Tipps. Aber nicht nur das. Mein liebster Zock-Buddy Haggy gibt mir mit einer Ausdauer (die ich eigentlich nicht verstehe, weils ja auch nicht unbedingt spaßig ist, stundenlang einem Noob immer wieder dasselbe zu erklären) Trainingseinheiten und baut mich auf, wenn ich gefrustet bin. Er lieh mir sein Fightpad, als ich mit dem PS4-Controller nicht zurecht kam und letzte Woche sogar einen seiner Fightsticks, weil meine linke Hand einfach nicht für Controller gemacht zu sein scheint. Ich hatte Schmerzen in der Daumensehne bekommen und musste sie ordentlich schonen. Zumal ich sie ja noch für andere Hobbies brauche. Nein, ich meine damit nichts Versautes!!!

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So ein Fightstick ist anfangs merkwürdig, aber ein irre cooles Teil! heart-bullet heart-bullet heart-bullet

Von so viel Hilfe bin ich ganz gerührt. Dennoch war ich erst vor ein paar Tagen, nach dem Training mit Haggy ganz am Boden zerstört und dachte, ich lerne es nie und bin einfach zu dumm dafür. Mittlerweile, nach ausgiebiger Google-Recherche, weiß ich aber, dass es aber den meisten Anfängern wie mir geht. Dass meine Fehler die typischen Anfängerfehler sind und nichts mit persönlicher Unzulänglichkeit zu tun haben. Ich weiß jetzt aber auch, dass viele wieder aufgeben.

Daher fragte ich mich: Wieso gebe ich nicht auf? Wieso habe ich nicht einfach ein Talent dafür, wie manche andere Gamer. Wieso tu ausgerechnet ich mich so extrem schwer? Welche Stärken habe ich, die ich für mich nutzen kann?
Die Antworten lagen klar auf der Hand: Meine Stärken liegen in meinen Augen auf einer hohen Lernbereitschaft und einem doch recht starken Ehrgeiz. Das ist schon einiges und Talent ist da einfach nicht auch noch nötig. Wäre das Leben ein Game, wäre ich ansonsten wohl nicht ganz balanced 😉

Mit der Einstellung geht es mir besser. Ich werde mich jetzt auf das Wesentliche konzentrieren, anstatt traurig zu sein, dass ich schlechter spiele als ich es von mir erwartet hatte. Daher habe ich beschlossen, mir möglichst viele Videos und Guides reinzuziehen, zu üben und zu trainieren und vor allem dran zu bleiben.Derzeit probiere ich auch einiges aus und bin von Cammy zu Laura gewechselt, deren Stil mir persönlich einfach besser passt. Sie ist nicht so flink wie Cammy, was ich als angenehmer empfinde. Ob ich bei Laura bleibe weiß ich jedoch noch nicht. Aber sie ist auf jeden Fall auch was fürs Auge, weshalb ich sie von Anfang an toll fand.
Und ich beginne mit Tom, meinem Freund, mithalten zu können, sodass er bald nicht mehr auf der Couch schlafen muss – was ihn sehr freut 🙂

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Egal wie lange es dauert. Mein Lebensmotto ist „Never give up, never surrender“ aus einem meiner Lieblingsfilme: Galaxy Quest. Und bei Grabthars Hammer, ich werde es schaffen!

Mein Vorbild ist in dem Fall auch Haggy. Er hat jahrelang trainiert, um Berserkerkitten (der krasseste imba Nerd von uns, der uns alle instant vermöbelt) zu besiegen. Was ihm letzte Woche endlich gelungen ist. Weshalb? Er hat nicht aufgegeben. Und genau das werde ich auch nicht!

Haggy’s großen Sieg könnt ihr hier auf Youtube anschauen:)

Ich weiß, dass das heute etwas ganz anderes war, als man sonst von mir gewohnt ist. Dennoch möchte ich es als ein Neben-Projekt zu meinem bisherigen Blog-Konzept durchziehen. Aber keine Sorge, das nächste Mal bekommt ihr wieder was Originelleres und Lustigeres zu lesen 🙂

Eure Sunny

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