Frauen spielen Scheiße und gehören in die Küche!

Ein Leben als Frau unter pubertären Gamern – Teil 3

So, nun ist es raus. Ich persönlich finde ja, dass man aber in der Küche nicht viel mehr Spaß haben kann als woanders auch. Das mag nur meine persönliche Einschätzung sein, denn immerhin kann man in der Küche mithilfe von Tellern und Geschirr Tetris spielen. Das hat dann sogar einen realistischen Klangeffekt, insbesondere wenn das Türmchen am oberen Bildschirmrand, bzw. im Real-Life-Slang „Decke“ ankommt und zusammenkracht. Ok, ich schweife ab. Frauen gehören also in die Küche. So nebenbei: Ich hatte während meiner WoW-Zeit meinen PC drei Jahre lang in der Küche stehen. Das Ergebnis war ernüchternd: Von dort aus habe ich auch nicht anders oder besser gezockt als davor und es hat genauso Spaß gemacht. Wobei es ein Vorteil war, sich einfach nebenher Kaffee zu machen, statt 5-10 Minuten AFK zu gehen 😉

Wie dem auch sei, in den 12 Jahren, die ich nun online spiele, bin ich oft über dieses Klischee „Frauen können nicht zocken“ gestolpert. Am stärksten ist mir noch im Kopf geblieben, wie eine super Tank-Spielerin aus meiner alten WoW-Gilde, von einem Typen doof angemacht wurde und es mir nachträglich erzählte. Es fielen Sprüche wie:

heart-bullet Wenn du mitgehst, geh ich nicht mit, weil Weiber schlecht tanken.
heart-bullet Das wird mit dir als Tank nie was.
heart-bullet Du bist ne Frau und gehörst inne Küche, statt in nen Raid.
heart-bullet Heilen geht grad nur so, weil ihr Weiber seid und das von Natur aus eh gut könnt.

29.04.16_15-04-10

Das Geflame zog sich eine Weile und dabei klang der Kerl wohl so piepsig, als wäre er entweder ein Eunuch oder noch relativ jung. Ich persönlich vermute beides und habe noch eine Theorie, die ich gerne ausführlicher ausschmücken möchte:
Zusätzlich war er sicher angepisst, weil seine „Freundin“ ihn dabei erwischte, wie er mit ihren Barbies Pornoszenen nachgespielt hat, worauf sie ihm als Folge ordentlich in sein Allerheiligstes trat. Das würde zum einen Gepiepse erklären, zum anderen seine radikale Einstellung was das weiblichen Geschlecht betrifft.

Mir selbst passierte es nie, dass ich offen derart angefeindet wurde. Aber ich weiß durch diverse Erzählungen und aus eigenen Erfahrungen, dass Frauen sich oft mehr anstrengen müssen als Männer, um genauso als Gamer respektiert zu werden. Deshalb oute ich mich meistens erst spät als weiblicher Gamer, wenn ich mit Leuten spiele, die ich nicht kenne, bzw. auch keiner von meinen regulären Mitspielern kennt. Das erklärt sicher auch die Tatsache, dass ich in Vergangenheut oft eher auf Verwunderung darüber stieß, dass ich weiblich bin.

Ehrlich gesagt hatte ich einen riesen Spaß daran, möglichst männlich zu wirken. In meiner WoW-Zeit spielte ich 6 von 7 Jahren Schurke als Hauptklasse. Eine süße weißhaarige Nachtelfschurkin, die man eher mit einem bärbeißigen Fernfahrer namens Klaus-Dieter oder Wolfram verbunden hätte.
Ich meine so einen Typen, der links die Bierflasche hält, rechts den kleinen Klausi, wahlweise Wolfi, in der Hand hat und daher mit den Zehen spielt. Deshalb vermied ich es, mich besonders wortreich zu geben oder gar im Chat Smileys im Allgemeinen und den Frauensmiley ( 🙂 ) im Besonderen zu nutzen. Man muss ja sparsam tippen, wenn man die Zehen an der Tastatur hat. Immerhin sind Zehen kürzer als Finger und alles tippen kostet dadurch etwas mehr Zeit.

WoWScrnShot_091708_221538
Meine süße Fernfahrer-Schurken-Elfe … wie sehr ich sie vermisse *schnüff*

Ich hatte es mir folglich zum Spaß gemacht, eine „Männerklasse“ statt dem obligatorischen Holypriest oder Restodruiden zu spielen, wie ich es tatsächlich in den ersten vier Jahre meiner WoW-Zeit von Frauen kannte. Ich fand es eigentlich immer witziger als Schurke ordentlich reinzuhauen und danach, sobald es Anerkennung hagelte, mich als Frau zu outen… hihi.

Ein spezielles Erlebnis hatte meinen Ehrgeiz besonders angestachelt. Damals, in Burning Crusade, war ich mit dem Gildenmeister und einigen Mitgliedern der Top-Raidgilde unseres Servers unterwegs. Ich wollte unbedingt in diese Gilde rein, die wirklich krass gut war. Als Test musste ich mit nach Mechanar, das damals noch ziemlich hart und knifflig gewesen ist. Wer es noch kennt, der weiß, dass es nicht annähernd so lächerlich und popelig war, wie das heutige ROFLMAO-WoW. Man musste noch etwas Altmodisches wie „Skill“ haben, gegnerische Zauber unterbrechen und Gegner mittels Crowd Control ausschalten. Als Schurke war das mit meine Aufgabe. Wer jetzt nicht versteht, was ich da gerade vor mich hin texte: Macht euch nix draus. Das geht fast allen so, es sei denn, sie sind wie ich alte WoW-Veteranen.

Jedenfalls kamen wir gut durch und am Schluss sagte mir der Gildenmeister lachend im TS folgendes: „Ganz ehrlich? Du spielst deinen Schurken wie ein Kerl! Man merkt gar nicht, dass du weiblich bist, wenn du spielst.“
Ich schätze, ich hätte mich beleidigt oder angegriffen fühlen sollen. Dennoch verspürte ich damals nur Stolz. Schließlich wollte ich weder Tittenbonus, noch irgendwie als putzig belächelt werden, weil ich als Mädel ne Klasse für „nur harte Männer“ spielte. Kurz darauf war ich Mitglied dieser Gilde.

Solche Sprüche hatten bei mir letztlich eine gewisse Denkweise geprägt. Im Hinterkopf hatte ich dabei immer folgendes: „Ich bin eine Frau, also muss ich mich besonders beweisen und die Kerle in die Tasche stecken, um respektiert zu werden.“ Also strengte ich mich enorm an und war wohl auch recht gut – ohne mich selbst loben zu wollen. Über die Jahre war ich im Raid eigentlich fast immer unter den Top5 der Damage Dealer.

Ich werde auch nie vergessen, was ein Mitspieler zu mir sagte, der all die Jahre mit mir in derselben Raidgilde war. Er war ein verdammt guter Fury-Krieger und mir wirklich ein Dorn im Auge. Nicht weil ich ihn vielleicht nicht mochte, nein! Er war ein sehr netter und lustiger Kerl. Aber er machte so verdammt viel Schaden, dass ich immer hart kämpfen musste, um dran zu bleiben und ihn zu überholen. Als ich mit WoW aufgehört hatte, kam von ihm einmal via Chat, er vermisse die „Battles, die wir uns geleistet haben“ und dass ich „eine gute Schurkin“ gewesen sei, die ihn oft „ins Schwitzen gebracht hätte, wenn es um den 1. Platz im Raid-Damage“ ging. Mir ging das Herz auf und ich war stolz darauf von ihm so ein Lob zu kassieren 🙂

Heute kommt mir das alles schwachsinnig vor. Ebenso, dass ich mich so ehrgeizig in in dieses Spiel reingestresst hatte, nur um etwas zu beweisen, das keines Beweises bedarf. Ich sehe keinen Grund weshalb Männer oder Frauen die besseren Spieler sein sollen. Auf beiden Seiten gibt es gute und schlechte Gamer. Das kommt auf den Einzelnen als Person an und liegt nicht an X- oder Y-Chromosomen. Über die Gründe solcher Denkweisen möchte ich an der Stelle auch nicht eingehen, weil es sonst den Rahmen sprengen würde.

Toothless1
Kochen, häkeln, putzen als Weiberkram. Zocken ist nur für harte Männer!

Aber so isses, wir Frauen gehören in die Küche. Dazu passt folgende Anekdote ganz gut: Früher haben Freunde und ich regelmäßig in Starcraft 2 „Mineralz“ gespielt (eine meiner Lieblings-Tower-Defense-Maps in diesem Spiel heart-bullet).
Ein Kumpel fragte mich damals „Sag mal, wie haust du diesen krassen Schaden raus?“ Da saß ich großkotzig an meinem PC, in meiner Küche und antwortete gelassen „Ich häkle übrigens nebenher.“ Was exakt der Wahrheit entsprach und noch heute für nostalgische Lacher unter den Beteiligten sorgt. Das kreative Ergebnis könnt ihr übrigens auf dem Foto über diesem Absatz bewundern.

So long,
eure Sunny

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>